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Aufmachen - die Blende gezielt einstellen

In Duisburg. Tigers and Turtles. Sonnenaufgang im Löwenzahn.
Blende nur leicht geschlossen, in diesem Fall f 2,8 am 1,8 / 18-35 mm

 

Warum fesselt das eine Bild den Betrachter, das andere wird kaum beachtet? Oft liegt es daran, dass der Fotograf nicht mit der Programmautomatik arbeitet, sondern den Blendenwert gezielt vorwählt. Dazu stellt die Kamera beim Automatikmodus „A“ die dazu passende Belichtungszeit ein.

 

Was bedeutet das „A“ auf dem Wählrad? Nein, nicht Automatik. Die Geräte werden in aller Regel auf Englisch beschriftet. Im Deutschen kann man statt Zeitautomatik auch Blendenvorwahl bzw. Blendenpriorität sagen, und das Letztere wird im Englischen zur Aperture Priority, abgekürzt eben unser  „A“ auf dem Fotoapparat.

 

               

 

Wie wirkt sich denn die eingestellte Blende aus? Als Erstes gilt es zu klären, was die Werte überhaupt bedeuten. Die Zahl 2,8 z.B. auf dem Objektiv bedeutet eigentlich 1:2,8 oder 1/2,8. Ausgehend von dem Fall, dass die Linse das Licht genauso hell durchlässt wie es vorne reinkommt, hätte man eine Lichtstärke von 1:1. Das ist aber vereinfacht, weil der Wert genau genommen auf Grundlage der Brennweite und des Linsendurchmessers nur berechnet wird. Aber wir ignorieren das jetzt und gehen davon aus, dass wir von der Lichtmenge reden. Unser Objektiv hat also eine maximale Lichtstärke von 1:1 und wird als F 1,0 bezeichnet. Wenn wir die Lichtleistung durch leichtes Schließen der Blende im Objektiv halbieren, kommt, da der Sensor ja zweidimensional ist, nicht die Hälfte, sondern 1 durch Wurzel aus 2 an, also 1/1.4. Daraus ergeben sich dann bei weiterem Schließen der Blende die „krummen“ Blendenwerte, mit denen man allgemein arbeitet, also 1, 1,4, 2,0, 2,8, 4,0, 5,6 usw. 

 

Hamburg: der alte Elbtunnel wird von Fußgängern und Fahrradfahrern genutzt.
Für eine lange Belichtungszeit habe ich die Blende geschlossen.

 

Wenn die Blende ganz offen bleibt, erscheinen auf der Aufnahme nur die Objekte scharf, die sich in der eingestellten Entfernung befinden. Wird die Blende nun geschlossen (größerer Wert), dann wirken auch Dinge vor und hinter der Schärfeebene noch scharf. Dieser Effekt erhöht sich, je weiter man abblendet. Allerdings wird es wegen der sogenannten Beugungsunschärfe bei ganz kleiner Blende dann wieder unschärfer. Darauf will ich an dieser Stelle allerdings nicht weiter eingehen. Der Umfang des Bereichs, der insgesamt scharf erscheint, wird „Schärfentiefe“ genannt (oft fälschlicherweise auch als Tiefenschärfe bezeichnet). Wie groß dieser Bereich ist, hängt aber nicht nur vom Blendenwert ab. Die Brennweite spielt eine Rolle, wobei ein Weitwinkel (kurze Brennweite) eine deutlich größere Schärfentiefe erreicht, mit einem Teleobjektiv kann man der kleinen Schärfentiefe wegen ein Motiv gut vom Hintergrund „lösen“, der dann nicht mehr vom Hauptmotiv ablenkt. Und noch etwas wirkt sich stark auf die Schärfentiefe ab: der Abstand zwischen Motiv und Kamera (genau genommen Kamerasensor). Je näher man am Objekt dran ist, desto kürzer der Bereich, der vom menschlichen Auge noch als scharf wahrgenommen wird. Bei Makroaufnahmen kann das zu einem ernsten Problem werden, wenn dann mit einem Makro-Tele mit Offenblende gearbeitet wird, dann geht es um Millimeterarbeit!   

  

Noch ergänzend zu diesem Thema ist zu sagen, dass während des Blicks durch den Sucher die Blende immer offen bleibt, ganz gleich, welcher Wert eingestellt wurde. Der Computer der Kamera errechnet die Belichtungszeit mit Hilft der gewünschten Blende, aber wirklich eingestellt (geschlossen) werden die Lamellen erst während des Belichtungsvorgangs!

 

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