Brennweite digital

Du kennst das Problem: auf dem Objektiv steht eine Brennweite vom 50 mm, und der Bekannte, der alles weiß, sagt: "Das ist praktisch ein 75er."  Warum denn das? Und: stimmt das so generell? Nun, in der guten alten Analogzeit war eine 50mm Brennweite ein Normalobjektiv, weil der Bildwinkel von 45° der menschlichen Sichtweit entsprach. Aber schon damals hat man umgerechnet, z. B. lag der Bildwinkel beim Mittelformat bei etwa 80mm, somit kann das Ganze ja nichts mit Digital und Analog zu tun haben. Womit denn dann? Die Lösung ist verblüffend einfach!  

Diese Aufnahme mit einer 200er Brennweite ergibt auf einem "Vollformat"-Sensor, also 24x36 mm,  das gezeigte Bild.

Hier ist einmal die Größe des APS-C Sensors in das Vollformat-Bild  eingezeichnet. Die gleiche 200er Brennweite würde nur noch einen Ausschnitt des links gezeigten Bildes abbilden. 

Und schon wirkt die Aufnahme mit dem APS-C Sensor viel größer, nämlich so, als wäre sie mit einem 300er Tele entstanden. Und deswegen rechnet man die Brennweite einfach um, als wäre es tatsächlich eine um das 1,5fache "längere" Brennweite.


Damit das Ganze nicht so einfach bleibt, schreiben manche Hersteller vornehmlich bei ihren Kompakt- oder Bridge-Kameras direkt die umgerechnete Brennweite auf die Optik, damit man auch weiß, dass man jetzt z. B. auf Weitwinkel eingestellt hat. Das soll eine Erleichterung im Handling sein, und das ist es wohl auch. Aber die tatsächliche Brennweite ist es natürlich nicht!